Glossar

Fachbegriffe rund ums Pferd, verständlich erklärt

Begriffe aus Pferdehaltung, Stallorganisation und Vereinsarbeit — kurz definiert und im Zusammenhang erklärt.

Abstammungsnachweis
Der Abstammungsnachweis dokumentiert die Vorfahren eines Pferdes über mehrere Generationen. Er wird vom Zuchtverband ausgestellt und ist Voraussetzung für die Eintragung ins Zuchtbuch.
Aktivstall
Ein Aktivstall ist eine Haltungsform, bei der Pferde in der Gruppe leben und sich frei zwischen getrennten Funktionsbereichen bewegen — etwa Liegehalle, Fressplätze, Tränke und Auslauf. Futterstationen steuern dabei individuelle Rationen.
Ankaufsuntersuchung (AKU)
Die Ankaufsuntersuchung ist eine tierärztliche Untersuchung vor dem Kauf eines Pferdes. Sie dokumentiert den Gesundheitszustand zum Untersuchungszeitpunkt und dient Käufer wie Verkäufer als Absicherung.
Arbeitsdienst
Der Arbeitsdienst ist eine in der Vereinssatzung verankerte Pflicht der Mitglieder, jährlich eine bestimmte Stundenzahl für den Verein zu leisten — etwa Zaunreparatur, Platzpflege oder Turnierhelferdienste.
Auftragsverarbeitung (AVV)
Eine Auftragsverarbeitung liegt vor, wenn ein Dienstleister personenbezogene Daten im Auftrag und nach Weisung eines Verantwortlichen verarbeitet. Nach Art. 28 DSGVO ist dafür ein schriftlicher Vertrag Pflicht.
Ausbildungsskala
Die Ausbildungsskala beschreibt sechs aufeinander aufbauende Ziele der Pferdeausbildung: Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung.
Ausbildungsstand
Der Ausbildungsstand beschreibt, welche Lektionen und Anforderungen ein Pferd sicher beherrscht. Er ist zentral für Verkauf, Beritt und die Zuordnung passender Reiter.
Auslastungsquote
Die Auslastungsquote gibt an, welcher Anteil der verfügbaren Plätze eines Betriebs tatsächlich belegt ist. Sie wird als Verhältnis belegter zu vorhandenen Boxen oder Plätzen berechnet.
Beritt
Beritt bezeichnet das Reiten und Trainieren eines Pferdes durch eine ausgebildete Person im Auftrag des Besitzers — etwa zur Ausbildung junger Pferde, zur Korrektur oder zum Erhalt des Trainingsstands.
Bewegungsprotokoll
Ein Bewegungsprotokoll hält fest, wann ein Pferd wie lange bewegt wurde — durch Reiten, Longieren, Führen, Weidegang oder Paddock.
Bodenarbeit
Bodenarbeit umfasst alle Übungen, bei denen vom Boden aus mit dem Pferd gearbeitet wird — Führtraining, Gelassenheitsübungen, Handarbeit und Freiarbeit.
Body Condition Score (BCS)
Der Body Condition Score ist eine standardisierte Bewertung des Ernährungszustands eines Pferdes. Anhand von Fettauflagen an definierten Körperstellen wird ein Punktwert vergeben — im deutschsprachigen Raum meist auf einer Skala von 1 bis 9.
Boxenplan
Der Boxenplan ist die Übersicht darüber, welches Pferd in welcher Box steht. Er zeigt zusätzlich, welche Boxen frei, belegt oder gesperrt sind — etwa wegen Quarantäne oder Reparatur.
Boxenstall
Im Boxenstall steht jedes Pferd in einer eigenen Box. Es ist die in Deutschland noch immer verbreitetste Haltungsform, verbunden mit festen Zeiten für Auslauf, Weidegang und Bewegung.
Cushing (PPID)
Cushing, fachlich PPID, ist eine hormonelle Erkrankung älterer Pferde. Eine Vergrößerung der Hirnanhangdrüse führt zu einer Überproduktion bestimmter Hormone mit vielfältigen Folgen.
Deckungsbeitrag
Der Deckungsbeitrag ist der Betrag, der nach Abzug der variablen Kosten vom Umsatz übrig bleibt und zur Deckung der Fixkosten beiträgt. Im Reitbetrieb wird er meist je Pferd und Monat betrachtet.
Druse
Druse ist eine hochansteckende bakterielle Infektion der oberen Atemwege. Charakteristisch sind hohes Fieber und stark geschwollene, häufig aufbrechende Lymphknoten im Kehlgang.
DSGVO im Stallbetrieb
Die Datenschutz-Grundverordnung regelt die Verarbeitung personenbezogener Daten. Für Reitbetriebe und Vereine gilt sie in vollem Umfang, sobald Daten von Einstellern, Mitgliedern oder Beschäftigten verarbeitet werden.
Eigentumsurkunde
Die Eigentumsurkunde weist aus, wem ein Pferd gehört. Sie wird vom Zuchtverband ausgestellt und ist vom Equidenpass zu unterscheiden, der lediglich der Identifikation dient.
Einstellervertrag
Der Einstellervertrag regelt die Unterbringung und Versorgung eines fremden Pferdes in einem Betrieb. Er legt Leistungen, Kosten, Haftung und Kündigungsfristen zwischen Stallbetreiber und Pferdebesitzer fest.
Einstreu
Einstreu ist das Material, mit dem Boxen und Liegeflächen ausgelegt werden — üblich sind Stroh, Späne, Pellets, Leinstroh oder Miscanthus. Sie bindet Feuchtigkeit und schafft eine trockene Liegefläche.
Equidenpass
Der Equidenpass ist das gesetzlich vorgeschriebene Identitätsdokument eines Pferdes. Er enthält Identifikationsdaten, Abstammung, eine grafische Beschreibung der Abzeichen sowie die Eintragungen zu Impfungen und Medikamentengaben.
Equines Metabolisches Syndrom (EMS)
EMS ist eine Stoffwechselstörung, bei der Pferde unempfindlich gegenüber Insulin werden. Typisch sind Übergewicht, lokale Fettpolster an Mähnenkamm und Schweifansatz sowie ein deutlich erhöhtes Hufrehe-Risiko.
FEI-Pass
Der FEI-Pass ist das Identitätsdokument des Weltreiterverbands FEI. Pferde benötigen ihn, um an internationalen Turnieren teilzunehmen, die unter FEI-Reglement ausgetragen werden.
Fütterungsplan
Ein Fütterungsplan legt für jedes Pferd fest, welches Futter in welcher Menge zu welcher Zeit gegeben wird. Er ist die Arbeitsanweisung für alle, die füttern — besonders für Vertretungen.
Grundimmunisierung
Als Grundimmunisierung bezeichnet man die erste Impfserie, mit der ein belastbarer Impfschutz überhaupt erst aufgebaut wird. Sie besteht aus mehreren Einzelimpfungen in festgelegten Abständen und ist Voraussetzung für alle späteren Auffrischungen.
Herpes (EHV-1 und EHV-4)
Equine Herpesviren verursachen Atemwegserkrankungen, Aborte bei tragenden Stuten und in seltenen Fällen schwere neurologische Verläufe. EHV-1 gilt als der gefährlichere der beiden Typen.
Heulage
Heulage ist angewelktes, luftdicht siliertes Gras mit höherem Feuchtigkeitsgehalt als Heu. Sie ist staubarm und damit besonders für Pferde mit Atemwegsproblemen geeignet.
Hufbeschlag
Der Hufbeschlag ist die Versorgung der Pferdehufe durch Hufschmied oder Hufpfleger — mit Eisen, alternativen Beschlägen oder als reine Barhufbearbeitung. Er erfolgt in regelmäßigen Intervallen von typischerweise sechs bis acht Wochen.
Hufrehe
Hufrehe ist eine schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut, bei der sich die Verbindung zwischen Hufbein und Hufkapsel lockert. Unbehandelt kann das Hufbein absinken oder rotieren — mit bleibenden Schäden.
Influenza (Pferdegrippe)
Die Pferdeinfluenza ist eine hochansteckende Viruserkrankung der Atemwege. Sie verbreitet sich in Beständen rasant und ist der Grund, warum bei Turnieren ein lückenloser Impfnachweis verlangt wird.
Jahresturnierlizenz
Die Jahresturnierlizenz ist die Startberechtigung für Reiterinnen und Reiter auf FN-Turnieren. Sie wird jährlich über den Verein beim Landesverband beantragt.
Kolik
Kolik ist der Sammelbegriff für Bauchschmerzen beim Pferd. Sie ist kein eigenes Krankheitsbild, sondern ein Symptom mit sehr unterschiedlichen Ursachen — von harmloser Verstopfung bis zur lebensbedrohlichen Darmverlagerung.
Koppelplan
Ein Koppelplan regelt, welche Pferdegruppe wann auf welcher Weidefläche steht. Er dient sowohl der Organisation als auch der Schonung der Grasnarbe.
Kotprobe (Eizahlbestimmung)
Bei einer Kotprobe wird die Anzahl der Wurmeier je Gramm Kot bestimmt. Das Ergebnis zeigt, ob ein Pferd behandlungsbedürftig ist, und macht die selektive Entwurmung überhaupt erst möglich.
Kraftfutter
Kraftfutter ist energiereiches Ergänzungsfutter wie Hafer, Gerste, Mais oder Mischfutter. Es deckt den Energiebedarf, der über das Raufutter hinausgeht — etwa bei hoher Arbeitsleistung, Zucht oder Untergewicht.
Lahmheit
Lahmheit ist eine sichtbare Störung des Bewegungsablaufs, meist als Folge von Schmerz. Sie wird nach Schweregraden eingeteilt und je nach betroffenem Bein als Vorhand- oder Hinterhandlahmheit beschrieben.
Longieren
Beim Longieren wird das Pferd an einer langen Leine im Kreis um die ausbildende Person bewegt. Es dient der Gymnastizierung, dem Muskelaufbau und der Ausbildung ohne Reitergewicht.
Mauke
Mauke ist eine Entzündung der Haut in der Fesselbeuge. Sie zeigt sich durch Rötung, Schuppen, Krusten und nässende Stellen und ist meist bakteriell bedingt, oft begünstigt durch dauerhafte Feuchtigkeit.
Mineralfutter
Mineralfutter ergänzt Mengen- und Spurenelemente sowie Vitamine, die über Raufutter allein oft nicht ausreichend gedeckt werden. Es liefert keine nennenswerte Energie.
Mitgliedsbeitrag
Der Mitgliedsbeitrag ist die regelmäßige Zahlung, mit der Vereinsmitglieder den laufenden Betrieb finanzieren. Höhe und Fälligkeit ergeben sich aus Satzung oder Beitragsordnung.
Notfallprotokoll
Ein Notfallprotokoll ist eine schriftlich hinterlegte Handlungsanweisung für Notfälle im Stall — von Kolik über Verletzungen bis Feuer. Es legt fest, wer was in welcher Reihenfolge tut.
Offenstall
Im Offenstall leben Pferde in der Gruppe mit ständigem Zugang zu einem überdachten Bereich und einem Auslauf. Sie entscheiden selbst, wann sie fressen, ruhen oder sich bewegen.
Paddock
Ein Paddock ist eine befestigte oder teilbefestigte Auslauffläche ohne nennenswerten Grasbewuchs. Er ermöglicht Bewegung im Freien unabhängig von Witterung und Grasangebot.
Pensionsstall
Ein Pensionsstall nimmt fremde Pferde gegen Entgelt in Obhut. Die Leistungen reichen von der reinen Boxenvermietung bis zur Vollpension mit Fütterung, Misten und Weidegang.
Push-Benachrichtigung
Eine Push-Benachrichtigung ist eine Kurzmitteilung, die eine App aktiv auf das Gerät sendet — auch wenn die App gerade nicht geöffnet ist.
Quarantänebox
Eine Quarantänebox ist eine räumlich getrennte Unterbringung für neu ankommende oder erkrankte Pferde. Sie verhindert, dass Infektionen in den Bestand getragen werden.
Raufutter
Raufutter ist strukturreiches Futter wie Heu, Heulage oder Stroh. Es bildet die Grundlage der Pferdefütterung, weil der Verdauungstrakt des Pferdes auf lange Fresszeiten und faserreiche Nahrung ausgelegt ist.
Reitabzeichen
Reitabzeichen sind standardisierte Qualifikationsnachweise der FN. Sie werden in absteigender Nummerierung vergeben — vom Steckenpferd für Einsteiger bis zum Reitabzeichen 1 als höchster Stufe.
Reitbeteiligung
Als Reitbeteiligung bezeichnet man eine Vereinbarung, bei der eine andere Person ein fremdes Pferd regelmäßig gegen Kostenbeteiligung reitet und versorgt, ohne Eigentümerin zu werden.
Rollensystem
Ein Rollensystem steuert, welche Person in einer Software welche Daten sehen und bearbeiten darf. Statt individueller Einzelrechte werden Rollen vergeben — etwa Administration, Trainer, Pfleger, Tierarzt oder Einsteller.
Software as a Service (SaaS)
Bei Software as a Service wird eine Anwendung nicht gekauft und installiert, sondern über das Internet gegen laufendes Entgelt genutzt. Betrieb, Wartung und Updates übernimmt der Anbieter.
Sommerekzem
Das Sommerekzem ist eine allergische Reaktion auf den Speichel von Kriebelmücken und Gnitzen. Betroffene Pferde scheuern sich vor allem Mähnenkamm und Schweifrübe blutig.
Stallordnung
Die Stallordnung ist das schriftliche Regelwerk eines Betriebs oder Vereins. Sie regelt Öffnungszeiten, Nutzung der Anlagen, Sicherheitsvorschriften und das Verhalten auf dem Gelände.
Tetanus (Wundstarrkrampf)
Tetanus ist eine durch Bakteriengifte ausgelöste Erkrankung, die zu Muskelkrämpfen und Lähmungen führt. Pferde sind besonders empfindlich, und eine Erkrankung endet meist tödlich.
Trainingstagebuch
Ein Trainingstagebuch dokumentiert die einzelnen Trainingseinheiten eines Pferdes: Datum, Dauer, Inhalt, Reiter und Beobachtungen zum Verlauf.
Transponder (Chipnummer)
Ein Transponder ist ein reiskorngroßer Mikrochip, der dem Pferd in die Halsmuskulatur implantiert wird. Er trägt eine 15-stellige Nummer, die mit einem Lesegerät ausgelesen wird und das Pferd eindeutig identifiziert.
Turnierpferdeeintragung
Die Turnierpferdeeintragung registriert ein Pferd bei der FN für die Teilnahme an Leistungsprüfungen. Sie ist Voraussetzung für Starts auf nationalen Turnieren und muss jährlich verlängert werden.
UELN
Die UELN (Universal Equine Life Number) ist eine international eindeutige, lebenslang gültige Kennnummer für Pferde. Sie wird vom ausstellenden Zuchtverband vergeben und ändert sich nie — auch nicht bei Besitzerwechsel oder Umzug ins Ausland.
Verkaufsexposé
Ein Verkaufsexposé ist die strukturierte Verkaufsunterlage für ein Pferd. Es bündelt Stammdaten, Abstammung, Ausbildungsstand, Gesundheitsinformationen und Bildmaterial in einem Dokument.
Vitalwerte (PAT-Werte)
Die Vitalwerte eines Pferdes umfassen Puls, Atmung und Temperatur — kurz PAT. Sie sind die schnellste Möglichkeit einzuschätzen, ob ein Pferd akut behandlungsbedürftig ist.
Warteliste (Buchungssystem)
Eine Warteliste rückt Buchungen automatisch nach, wenn ein bereits belegtes Zeitfenster wieder frei wird. Im Reitbetrieb betrifft das vor allem Reitstunden, Hallenzeiten und Plätze.
Weidegang und Anweiden
Weidegang ist die Haltung auf der Grasfläche. Anweiden bezeichnet die schrittweise Gewöhnung des Verdauungssystems an frisches Gras im Frühjahr, üblicherweise über mehrere Wochen.
Wurmkur
Eine Wurmkur ist die medikamentöse Behandlung gegen Endoparasiten. Traditionell wurde in festen Intervallen entwurmt; heute gilt die selektive Entwurmung anhand von Kotproben als fachlicher Standard.
Zahnkontrolle
Pferdezähne wachsen lebenslang nach und nutzen sich ungleichmäßig ab. Dabei entstehen scharfe Kanten und Haken, die Schmerzen verursachen. Eine jährliche Kontrolle durch Tierarzt oder Pferdedentisten gilt als Standard.
Zuchtbrand
Der Zuchtbrand ist ein Brandzeichen auf dem Oberschenkel, das die Zugehörigkeit zu einem Zuchtverband kennzeichnet. Er war lange die übliche Kennzeichnung und ist heute weitgehend vom Transponder abgelöst.
Zuchtstall
Ein Zuchtstall betreibt die gezielte Vermehrung von Pferden. Dazu gehören Stutenauswahl, Anpaarung, Trächtigkeitsbegleitung, Abfohlung sowie Aufzucht und Vermarktung der Nachzucht.

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Im Magazin vertiefen wir die Themen: von der vollständigen Checkliste fürs Pferdeprofil über Impffristen bis zur Frage, ab wann sich Stallmanagement Software rechnet.

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