Pferd & Gesundheit

Wie viel Heu braucht ein Pferd wirklich?

Mindestens 1,5 Kilogramm je 100 Kilogramm Pferd — aber die Menge allein reicht nicht. Warum die Verteilung über den Tag genauso wichtig ist.

Cabalgo Redaktion · 31. Juli 2026 · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Als Richtwert braucht ein Pferd täglich mindestens 1,5 Kilogramm Raufutter je 100 Kilogramm Körpergewicht — bei einem 600-Kilo-Pferd also mindestens 9 Kilogramm Heu. Fachlich empfohlen werden eher 2 Kilogramm je 100 Kilogramm. Ebenso wichtig ist die Verteilung: Fresspausen von mehr als vier Stunden gelten als kritisch, weil der Pferdemagen kontinuierlich Säure produziert.

Die Faustregel und was sie verschweigt

Die verbreitete Regel lautet 1,5 Kilogramm Heu je 100 Kilogramm Körpergewicht. Das ist eine Untergrenze, kein Zielwert. Fachlich empfohlen werden für die meisten Pferde eher 2 Kilogramm je 100 Kilogramm — bei einem Warmblut mit 600 Kilogramm also rund 12 Kilogramm täglich.

Was die Regel verschweigt: Heu ist nicht gleich Heu. Ein spät geschnittenes, strukturreiches Heu liefert deutlich weniger Energie als ein früh geschnittenes vom gedüngten Bestand. Wer den Energiegehalt kennen will, kommt an einer Heuanalyse nicht vorbei — sie kostet wenig und beendet die meisten Diskussionen über Über- und Unterversorgung.

Warum die Verteilung wichtiger ist als die Menge

Der Pferdemagen produziert kontinuierlich Säure, unabhängig davon, ob gefressen wird. In freier Wildbahn frisst ein Pferd 14 bis 16 Stunden am Tag — der ständige Speichelfluss puffert die Säure ab.

Bekommt ein Pferd seine Tagesration in zwei Portionen, ist es nach wenigen Stunden fertig und steht dann acht bis zehn Stunden ohne Futter. In dieser Zeit greift die Magensäure die ungeschützte Magenschleimhaut an. Magengeschwüre sind bei Sportpferden entsprechend häufig.

Als kritisch gelten Fresspausen über vier Stunden. Praktisch heißt das: mindestens drei, besser vier Raufuttergaben täglich — oder Hilfsmittel, die die Fresszeit verlängern.

Wenn das Pferd zu dick wird

Der häufigste Einwand gegen mehr Heu lautet: Mein Pferd nimmt dann zu. Das stimmt — aber die Lösung ist selten, die Menge einfach zu kürzen.

Sinnvoller sind drei andere Wege:

  • Fresszeit verlängern statt Menge kürzen. Engmaschige Heunetze strecken dieselbe Menge über deutlich mehr Stunden.
  • Energieärmeres Heu wählen. Spät geschnittenes, strukturreiches Heu sättigt bei weniger Energie.
  • Kraftfutter streichen, nicht Raufutter. Die meisten Freizeitpferde brauchen überhaupt kein Kraftfutter.

Wichtig ist die Untergrenze: Dauerhaft unter 1,5 Kilogramm je 100 Kilogramm zu füttern, ist keine Diät, sondern ein Gesundheitsrisiko. Bei Pferden mit EMS gehört die Rationsgestaltung ohnehin in tierärztliche Begleitung.

Jahresbedarf für den Betrieb rechnen

Für die Futterbestellung braucht es eine belastbare Zahl. Die Rechnung ist einfach:

Beispiel: 20 Pferde à durchschnittlich 550 kg
Tagesration: 550 kg ÷ 100 × 2 kg = 11 kg je Pferd
Bestand pro Tag: 20 × 11 kg = 220 kg
Jahresbedarf: 220 kg × 365 = rund 80 Tonnen

Zwei Zuschläge gehören dazu: etwa 5 bis 10 Prozent für Verluste durch Verderb und Zertreten, und eine Reserve für den Fall, dass die nächste Ernte schlecht ausfällt. Wer Weidegang hat, kann in den Sommermonaten reduzieren — sollte das aber nicht überschätzen, weil abgefressene Koppeln im Hochsommer kaum noch Futter liefern.

Was das für die Kalkulation bedeutet

Raufutter ist neben Einstreu und Arbeitszeit der größte variable Kostenblock eines Pensionsbetriebs. Wer den tatsächlichen Verbrauch je Pferd nicht kennt, kalkuliert seinen Pensionspreis auf Verdacht — und merkt Preissteigerungen beim Heu erst, wenn das Jahresergebnis vorliegt.

Wie sich daraus ein belastbarer Preis ergibt, steht im Beitrag zur Kalkulation des Pensionspreises.

Begriffe aus diesem Artikel

  • Einstreu — Einstreu ist das Material, mit dem Boxen und Liegeflächen ausgelegt werden — üblich sind Stroh, Späne, Pellets, Leinstroh oder Miscanthus.
  • Equines Metabolisches Syndrom (EMS) — EMS ist eine Stoffwechselstörung, bei der Pferde unempfindlich gegenüber Insulin werden.
  • Kraftfutter — Kraftfutter ist energiereiches Ergänzungsfutter wie Hafer, Gerste, Mais oder Mischfutter.
  • Raufutter — Raufutter ist strukturreiches Futter wie Heu, Heulage oder Stroh.
  • Weidegang und Anweiden — Weidegang ist die Haltung auf der Grasfläche.

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Fütterung je Pferd sauber hinterlegen

In Cabalgo steht der Fütterungsplan pro Pferd in Kilogramm statt in Schippen — inklusive Zeiten, Zusätzen und Besonderheiten. Damit auch die Vertretung am Wochenende genau weiß, was in den Trog kommt.

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Häufige Fragen

Wie viel Heu braucht ein 600 kg schweres Pferd?

Mindestens 9 Kilogramm täglich, empfohlen werden eher rund 12 Kilogramm. Der genaue Bedarf hängt von Energiegehalt des Heus, Arbeitsleistung, Alter und Haltungsform ab.

Wie lange darf ein Pferd ohne Heu stehen?

Fresspausen über vier Stunden gelten als kritisch, weil der Magen kontinuierlich Säure produziert und die Schleimhaut ohne Speichelpuffer angegriffen wird. In der Praxis bedeutet das mindestens drei bis vier Raufuttergaben täglich oder Hilfsmittel zur Verlängerung der Fresszeit.

Kann man Heu ad libitum füttern?

Bei leichtfuttrigen Pferden und Ponys führt freier Zugang schnell zu Übergewicht und erhöht das Risiko für Hufrehe. Bei normalgewichtigen Pferden mit ausreichend Bewegung ist es dagegen häufig unproblematisch. Der Kompromiss ist, die Menge zu begrenzen und die Fresszeit über engmaschige Netze zu strecken.

Wie berechne ich den Heubedarf für meinen Stall?

Durchschnittsgewicht durch 100 teilen, mit 2 multiplizieren, mit der Pferdeanzahl und 365 Tagen multiplizieren. Auf das Ergebnis 5 bis 10 Prozent für Verluste aufschlagen und eine Reserve für schlechte Ernten einplanen.

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